Nach-lass-nach
     
   

Claudio Knoepfli

1954

Ist Künstler, Kursleiter für Malerei, Bronzegiessen und Yoga. Seit 2006 führt er eine kinesiologische Praxis (http://kinesiologe.jimdo.com).

Claudio Knoepfli hat unter anderem ausgestellt im Kunstmuseum des Kantons Thurgau, Kartause Ittingen (1984), im Kunstmuseum Bern (1988), im Centre PasquART in Biel (1993) und vielfach in seinem eigenen Atelier in Bern.

Nachlass
Text von Claudio Knoepfli

Das Wort Nachlass verleitet zur Spielerei, irgendetwas lässt nach, vielleicht der Schreck. Wenn einer seinen Nachlass noch zu Lebzeiten organisiert, dann ist etwas mit ihm geschehen, er kann nachlassen, hinter sich lassen, verlassen, es lassen. Ich habe das Verteilen des Hab und Guts lange vor dem Tod meiner Grossmutter abgeschaut, weil es mich beeindruckte, tue ich es ihr nach. Sie gab alles weg und war dadurch in der glücklichen Lage, ihren Familienmitgliedern eine Freude zu machen.

Die Freude der Anderen wurde zu ihrer Freude.

Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, den Ort meines Schaffens ordentlich zu verlassen. Wegwerfen wäre unanständig mir selbst und der Kunst im Allgemeinen gegenüber, denn schliesslich habe ich meine Arbeiten mit viel Leidenschaft über einige Jahrzehnte hinweg geschaffen. Das Verteilen und Platzieren ist eine aufwendige Arbeit, ich mache es selbst, weil ich keine Nachfahren habe. Immer wenn ein Kunstwerk weggeht, ist es ein kleines Sterben im Diesseits und ein Stück dazu gewonnenes Leben im Jenseits.

Ich habe zudem im Sinn, in absehbarer Zeit ein neues Leben an einem anderen Ort zu beginnen, dorthin kann ich meine Kunstwerke nicht mitnehmen. Es soll ein guter Ort sein, an dem ich mich zu Hause fühle, und vielleicht entstehen dort nur noch Wohlfühlbilder.

Ich hoffe, während der Aktion Nach-lass-nach Erfolg zu haben, weil es wichtig ist, dass gerade in einer Stadt wie Bern, die eine grandiose Vergangenheit hat, Kunst einen hohen Stellenwert einnimmt. Weil dadurch das Grossartige Berns weiterbesteht. Die Qualität eines Gemäldes unterscheidet sich vom Monitor-Geflimmer in mancher Hinsicht. Ein Bild lädt zur Einkehr ein, zur inneren Schau, gibt Anreiz, die eigene Geistigkeit zu wecken. Ohne gute Beziehung zum Immateriellen vermag auch der grösste Besitz keine Freude ins Leben zu rufen. Meine Kunst ist Bild oder Skulptur gewordene Fantasie. Ich will das Geschaffene aus frühen Jahren loswerden und mich neu orientieren.

Es ist mir wichtig, dass die verkauften Bilder aufgehängt und gebraucht werden, so dass sie sich abnutzen und eines Tages zerfallen.

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